Ich hoffe ja sehr, dass dieser Aufenthalt nicht so lange anhaelt wie der Titel dieses neuen Blogs. Es ist schier unbegreiflich, ich warte eigentlich jede Minute darauf, einen Wecker klingeln zu hoeren, oder sanft am Arm geruettelt zu werden, um Aufzuwachen und mich wieder in der Wirklichkeit zu befinden. Oder ich suche mir einfach eine Telefonzelle, um aus dieser architektonisch entworfenen Matrix rauszukommen, zurueck in mein Leben. Aber irgendwo ist diese abgekapselte Welt hier dann doch zu real, als dass mir dies moeglich erscheint.
Abu Dhabi, eine Stadt aus nicht enden wollenden Wolkenkratzern, ueberall wird gebaut, hoeher, schicker, teurer. 75 % der weltweit verfuegbaren Hochbaukraene sammeln sich hier. Meine Reise geht von einem Land, dessen Realitaet mich schon ein wenig schockiert hat - Nepal -, in ein anderes Land, dessen Realitaet mich (noch mehr?) trifft. All die schrecklichen Nachrichten, die ich hier im Fernsehen oder in der Zeitung wahrnehme, erreichen mich gar nicht mehr wirklich, wenn ich in meinem dauer-klimatisierten Hotel sitze, in Fleecejacke gehuellt, weil ich die Innentemperatur deutlich zu frisch finde. Alles bleibt irgendwie aussen vor. In einem Mini-Reisefuehrer ueber Abu Dhabi heisst es, dass eine der Lieblingsbeschaeftigungen der Menschen hier das Einkaufen in einer der riesigen Malls sei. Die Auswahl des Produkts ist hier keine Frage des Preises sondern des Angebots.
Gestern Abend besuchten wir ein Kultur-Dorf, in dem die Lebensweise der Beduinen in den alten Zeiten (vor ca 50 Jahren...) dargestellt wird. Dieses Dorf befindet sich auf deiner Landzunge, um die herum junge Emiratis auf ihren Jet-Skis durchs Wasser knattern. In meiner Vorstellung von den arabischen Emiraten gab es immer noch so etwas wie Heiratsmaerkte - und diesen haben wir womoeglich aufgetan gestern. Nur, dass hier nicht auch noch Kamele als Mitgift verschachert werden. Die Maenner praesentieren sich auf ihren Jetskis, drehen die tollsten Pirouetten und vollfuehren Kunststuecke (mehr oder weniger), waehrend die voll verschleierten Frauen am Ufer sitzen und ihnen zusehen. Langsam kommt ein Gespraech zwischen den Geschlechtern auf, die eine oder andere Neckerei findet statt. Unglaublich, dies mitzuerleben. Auf der anderen Seite der Landzunge befindet sich der Yachtclub und der "sunset Boulevard". Wenn man sich das Knattern der Wasserfahrzeuge wegdenkt und frische Meeresluft ergattert zwischen den Benzinabgasen ist dies wirklich ein wunderschoener Ort, um den Sonnenuntergang zu beobachten. Aehnlich empfinden das auch die Emiratis, die sich anstelle des Wassers fuers Land entschieden haben und in ihren Porsche, Mercedes oder sonstewas den Boulevard auf und ab fahren, pausenlos. Ach nein, stimmt nicht. Manchmal wird doch kurz ausgestiegen, womoeglich um eine Dame einzuladen?! Waehrend dieser Fahrtpause laeuft der Motor natuerlich weiter, nicht, dass sich die Innentemperatur im Wagen von 22 Grad aufheizt durch die 35 Grad, die draussen herrschen, obwohl es schon 6.30 Uhr nachmittags ist.
Ach, a pro pos Benzin: Heute in der Zeitung steht, dass die Tankstellen bestreikt werden sollen, weil der Literpreis ansteigt um 0,15 Dihram. Damit kostet der Liter nun 1,17 Dihram, das sind also rund 20 Eurocent. Alles klar.
Ich bin voellig erschlagen von der Welt hier. Die Menschen in meinem Hotel ueberschlagen sich vor Freundlichkeit, und hinter ihrem Laecheln muss ich immer daran denken, was mir Natalie ueber das Leben und Arbeiten in solch einem Luxushotel erzaehlt hat. Da laeuft mir ein Schauer ueber den Ruecken. Eine "perfekte Welt", vielleicht fuer so manch einen. Fuer mich definitiv zu weit ab von einer Realitaet die ich nicht nur in Indien oder Nepal, sondern auch in Europa erlebt habe. Allerdings erscheint mir nun Amerikas Mission, bis 2035 bemannt den Mars zu befliegen, nicht wirklich unwahrscheinlich. Ich glaube, irgendwo hier sitzen Architekten, um den Mars einfach nachzubauen. In der Wueste nebenan waere noch Platz.